Aktivitäten 2020

Erinnern, Gedenken und Handeln an Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und stellvertretend an Raphaël Elizé - Franzose, Widerstandskämpfer, KZ-Häftling - waren am 9. Februar 2020 in Weimar Herzensangelegenheit

 

Der Luftangriff auf das Gustloffwerk, 9. Februar 1945! Das Fritz-Sauckel-Werk Weimar, benannt nach dem NSDAP-Gauleiter, war der Stammbetrieb eines Staats- und Parteikonzerns, der seit 1936 mit geraubtem jüdischen Eigentum der Familie Simson aufgebaut wurde. Werke und Zweigniederlassungen gab es in Buchenwald, Hirtenberg, Meuselwitz, Suhl, Berlin und Lichtenwörth. Zum Weimarer Werk gehörte ein Filialbetrieb in Buchenwald, eine Waffenfabrik und eine Werkzeugmaschinenfabrik – die heutige KET-Halle. Schwerpunkte der Produktion waren Gewehre, Geschützteile und Drehbänke. Von den 9.000 Arbeitern des Weimarer Betriebs waren zum Zeitpunkt des Luftangriffes mehr als 8.000 ausländische Zwangsarbeiter oder KZ-Häftlinge.

 

Seit Oktober 1943 bestand unmittelbar neben dem Werk ein erstes Barackenlager des KZ Buchenwald, 1944 ein zweites neben der Werkzeugmaschnenfabrik. In diesem Konzentrationslager hinter dem Bahnhof befanden sich Ende 1944 2.290 Häftlinge.

 

Der Luftangriff der US Air-Force vom 9. Februar 1945 galt dem Rüstungswerk im Norden der Stadt. Acht von zehn der über Weimar abgeworfenen Bomben gingen dort auf engstem Raum nieder. Die Werkleitung hatte angewiesen, dass die Häftlinge bei Fliegeralarm weiterarbeiten mussten und erst nach Einschlag der Bomben Schutz suchen durften. 346 Häftlinge starben während des Angriffs, weitere schwerverletzt in den Tagen danach. Unter den Toten waren 77 Franzosen, 7 Belgier, ein Bulgare, 173 Sowjetbürger, 63 Tschechen, 65 Polen, 9 Spanier, 5 Jugoslawen, 5 Italiener, ein Grieche, 2 Esten, 3 Niederländer, 2 Litauer, ein Lette, 2 Ungarn, 14 Deutsche und ein Österreicher. Einige hundert Meter entfernt, auf dem Bahnhof, traf es einen Zug mit kranken und schwachen Häftlingen aus dem Außenlager Rehmsdorf. Die SS ließ niemanden aus den Viehwaggons, in denen 158 ungarische, lettische, polnische, französische und tschechische Juden umkamen. Insgesamt verloren in der nördlichen Stadt fast 600 Häftlinge des KZ Buchenwald beim Luftangriff das Leben. Diesen Opfern erweisen wir in Gedenken die Ehre. Dr. Harry, Kustos der Gedenkstätte Buchenwald, und Frau Sabine Stein gehörten zu den geschätzten Fürsprechern, die Erinnerung wach zu halten. Sie lasen beeindruckende Texte aus Briefen von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern vor.

 

Der Franzose Raphaёl Elizé steht stellvertretend für die vielen Opfer, die heute sonst keine Stimme haben. Er war der erste farbige Bürgermeister Frankreichs, Widerstandskämpfer, geboren am 4. Februar 1891 in Le Lamentin auf der Insel Martinique (ursprünglich Madinina). Seine Vorfahren waren Sklaven. Als Raphaёl 11 Jahre alt war, floh die Familie nach Frankreich. Schulbesuch, Studium folgten. Eigentlich wollte er – mit dem frischen Diplom in der Tasche – gerade als Tierarzt arbeiten. Der 1. Weltkrieg kam dazwischen, Elizé überlebte seinen Einsatz als Soldat, ging dann in den ersehnten Beruf und genoss recht schnell hohes Ansehen. 1929 wird er daraufhin Bürgermeister seiner Heimatstadt Sablé-sur-Sarthe. Er engagiert sich für die Menschen und wird 1937 sogar zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Sein Glück ist nur von kurzer Dauer: Der 2. Weltkrieg bricht aus und der engagierte Tierarzt und Kommunalpolitiker geht nach der Besetzung durch die NS in den Widerstand. Dort wird er 1943 von der Gestapo aufgespürt und später in das KZ Buchenwald deportiert.

 

Der Bombenangriff am 9. Februar 1945 auf die Gustloff-Rüstungswerke wurde ihm zum Verhängnis. Die Alliierten wollten die Rüstungsindustrie und Bahnlinien vernichten, doch es kamen dabei hunderte geplagte KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter ums Leben. Einer von ihnen war der Franzose Raphaël Elizé. Zu seinem Leben wurden einige Übersetzungen aus dem Buch von Gaston-Paul Effa "Rendez-vous avec l'heure qui blesse" von Dr. Marc Sagnol und Gisela Hösch vorgestellt und in einer wertvollen Broschüre zusammengestellt.

 

Wir erinnern an diesem Tag nicht nur an ihn, sondern ebenso maßgeblich an das als Außenstelle fungierende große Konzentrationslager Gustloff-Werke, auf das außer der Gedenktafel für die Toten des 9. Februar 1945 nichts mehr hinweist.

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung am 9.2. 2020 sagte Bürgermeister Kirsten in seiner Rede: "Wir erneuern an diesem Ort in dieser Stunde unser Bekenntnis zum Schwur von Buchenwald: Nie wieder Faschismus! Für eine Welt des Friedens! Wir können etwas tun, der menschengemachten Unbarmherzigkeit der Geschichte nicht noch einmal zum Triumph zu verhelfen."

Abschließend dankte der Vorsitzendes des Weimarer Dreieck e.V., Dieter Hackmann, für das beeindruckende Zeichen, dass die Menschen durch ihr Kommen zur Erinnerung an die Opfer des Luftangriffs vor 75 Jahren  an diesem Ort und den so vielen weiteren Opfern in dieser Zeit gesetzt haben: " Sie machen damit auch deutlich, dass wir keinesfalls nachlassen dürfen zu erinnern, was passiert, wenn Verhältnisse geduldet werden, in denen die Menschenwürde nicht selbstverständlich geachtet wird, und zwar jedes einzelnen Menschen, ganz gleich welcher Kultur, Sprache, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder welche Unterschiedlichkeiten es noch geben mag."

 

Die Veranstalter: Weimarer Dreieck e.V., Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar, Französisches Kulturinstitut Thüringen danken Herrn Dr. Johannes Bock und Frau Gisela Bock für die Federführung und Organisation der so wichtigen Gedenkveranstaltung.

GedenkenBÜRGERMEISTER.pdf
PDF-Dokument [36.4 KB]
DHRedeGedenken.pdf
PDF-Dokument [21.2 KB]

Das Weimarer Dreieck kann den Zusammenhalt der östlichen Partnerschaften in Europa wieder beleben

 

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte  bei seinem Besuch am 3. Februar in Polen  Initiative, einen „Wendepunkt“ in den angespannten Beziehungen zu erzielen.

 

Macron kündigte für die kommenden Monate ein Gipfeltreffen mit Polen und Deutschland im Rahmen des  „Weimarer Dreiecks“ an. Der französische Präsident betonte gestern in Warschau, die drei Staaten müssten „die Verantwortung für die Zukunft Europas tragen“ und diese Rolle wieder konsequent annehmen – insbesondere angesichts des Ausstiegs des Vereinigten Königreichs aus dem Block.

 

Polens Präsident Andrzej Duda sprach von einem „Durchbruch“ in den Beziehungen und begrüßte die Unterzeichnung des polnisch-französischen Kooperationsvertrages als wichtigen Teil dieser „strategischen Partnerschaft“.

 

Die gemeinsame Erklärung:

https://www.elysee.fr/emmanuel-macron/2020/02/03/declaration-conjointe-du-president-emmanuel-macron-et-de-m-andrzej-duda-president-de-la-republique-de-pologne

Europa-Staatsminister Michael Roth traf im Januar im französischen Lens seine französische Amtskollegin Amélie de Montchalin und seinen polnischen Amtskollegen Konrad Szymański 

 

In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigen sie die Ziele bei Klimapolitik, Rechtsstaatlichkeit, EU-Erweiterung und einem sozialen Europa.

https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/europa/zusammenarbeit-staaten/weimarer-dreieck-polen-frankreich-roth-/2294694

 

Die verabschiedete gemeinsame Erklärung:

https://www.diplomatie.gouv.fr/en/country-files/germany/the-weimar-triangle/article/joint-statement-of-the-ministers-for-european-affairs-of-the-weimar-triangle

Aktuelles

Absage WD Kongress.pdf
PDF-Dokument [91.9 KB]

„Deutschland und Polen entdecken“ - Illustrierte deutsch-polnische Landkarte
http://www.dpjw.org/

Sag was! Dis Moi! Powiedz coś!
Ein deutsch-polnisch-französischer Leitfaden zur Sprachanimation in trinationalen Begegnungen zum Herunterladen

 

Download

Die Sanierung des Rathauses der Stadt Weimar erfordert vorübergehend einen Ortswechsel für die Vereinssitzungen. Ab Januar 2015 finden bis auf Weiteres thematische Vereinssitzungen auf Einladung im Europäischen Informationszentrum in der Regierungsstr. 73 in Erfurt statt. Mitglieder und Interessierte sind stets herzlich eingeladen, an den thematischen  Sitzungen teilzunehmen und diese aktiv mitzugestalten.

Postanschrift:

Weimarer Dreieck e.V.
Postfach 2520
99406 Weimar

 

vorstand@weimarer-dreieck.org 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Weimarer Dreieck e.V.

Diese Homepage wurde mit 1&1 IONOS MyWebsite erstellt.